Was wäre wenn … Verträge mit Fußballern unbefristet wären?

Ein unbefristeter Arbeitsvertrag mit einem Profifußballer, ist das überhaupt möglich? Nach dem ersten spektakulären Urteil des Arbeitsgerichts Mainz vom 19.03.2015 (3 Ca 1197/14) folgte nun aus Spielersicht die Ernüchterung: Verträge von Fußballern können befristet werden. So entschied in 2. Instanz das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz. Da das Verfahren aber noch nicht endgültig vorbei ist, – der Weg zum Bundesarbeitsgericht ist noch möglich – wagen wir einen Ausblick auf die Frage, „was wäre, wenn Profifußballer unkündbar wären“ und geben den Vereinen wertvolle Ratschläge.

Was war passiert?

Der mittlerweile 37 jährige Heinz Müller hatte 2012 einen Arbeitsvertrag bis zum Juni 2014 beim FSV Mainz 05 unterschrieben, der sich ab einer gewissen Anzahl von Bundesligaeinsätzen automatisch verlängern sollte. Nach einer Verletzung im Winter 2013/2014 sortierte der damalige Trainer Thomas Tuchel den Torhüter aus. Müller musste den Verein im Sommer 2014 daraufhin verlassen. Sein Arbeitsvertrag lief aus. Wie jeder Arbeitnehmer nahm er daraufhin seine Rechte wahr und zog vor das Arbeitsgericht Mainz. Sein Ziel: Die Feststellung, dass sein Arbeitsverhältnis unbefristet fortbesteht. Sein Argument: Durch die sportliche Degradierung sah er sich um Siegprämien gebracht. Vor allem aber habe er keine Chance gehabt, dass sich sein Arbeitsvertrag automatisch durch Einsatzzeiten verlängert. Das Arbeitsgericht Mainz gab ihm in erster Instanz Recht, mit der Folge, dass der FSV Mainz seinen ehemaligen Angestellten weiterhin zu vergüten habe. Immerhin verdiente Herr Müller 143.000,00 EUR brutto im Monat.

Rechtlicher Hintergrund

Profifußballer werden im rechtlichen Sinne nicht anders behandelt, als andere Arbeitnehmer. Wie sie, dürfen sich auch Fußballer grundsätzlich auf sämtliche Schutzvorschriften zugunsten der Arbeitnehmer berufen. Eine dieser Vorschriften ist das Teilzeit- und Befristungsgesetz, kurz TzBfG. Nach den zugrunde liegenden Vorstellungen ist das unbefristete Arbeitsverhältnis der Regelfall, die Befristung die Ausnahme. Daher regelt § 14 Abs. 1 TzBfG, dass Arbeitsverträge nur befristet werden dürfen, wenn ein sachlicher Grund vorliegt. Nr. 4 dieser Vorschrift besagt, dass ein sachlicher Grund dann vorliegt, wenn die Eigenart der Arbeitsleistung die Befristung rechtfertigt. Das Arbeitsgericht Mainz urteilte, dass im Profifußball weder das Alter des Spielers, noch das Verlangen des Publikums nach neuen Akteuren (ähnlich also wie in einem Theater oder in der Oper) eine Befristung unter diesen Gesichtspunkten rechtfertigen könne.

Das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz (Aktenzeichen: 4 Sa 202/15) entschied am 17.02.2016 anders und kommt inhaltlich zum Ergebnis, dass die Eigenart der Arbeitsleistung eine Befristung sehr wohl rechtfertige. Die Fußballvereine atmen auf. Allerdings ist die Angelegenheit damit noch nicht vom Tisch. Das Gericht hat die Revision zugelassen und es entscheidet sich in den nächsten Tagen, ob Herr Müller diese Möglichkeit wahrnimmt. Damit geht der Streit also aller Wahrscheinlichkeit bis zum Bundesarbeitsgericht und vielleicht sogar bis zum Europäischen Gerichtshof.

Was wäre wenn …

Wir erlauben uns an dieser Stelle einmal die Vorteile einer solchen Rechtslage aufzuzeigen. Was wäre also, wenn auch das Bundesarbeitsgericht oder der Europäische Gerichtshof Heinz Müller Recht gibt. Führt dies tatsächlich dazu, dass „Vereine dann 50 bis 60 Profis im Kader haben“, wie der Mainzer Präsident Harald Strutz nach dem ersten Urteil verkündete? Oder gibt es hier nicht doch Möglichkeiten, wie ein Verein einen in Ungnade gefallenen Profi wieder los wird? Fest stünde, dass grundsätzlich alle Profis mit unbefristeten Spielverträgen ausgestattet wären.

1. Hohe Belastungen kein Thema mehr

Immerhin dürften einige Vereine angesichts der hohen Belastungen in Bundesliga, Pokal und auf europäischer Bühne einen derart großen Kader zu schätzen wissen. Vielleicht würde ja in Zukunft das große Gestöhne während der englischen Wochen ausbleiben und der ein oder andere Wettbewerb noch hinzukommen, die Fans würden es vielleicht begrüßen. Mit einer Spielerdichte von 50 bis 60 Profis könnten die Vereine bestimmt alle 2 Tage ein Pflichtspiel absolvieren. Die Vielzahl der Arbeitsverträge würde sich also auszahlen.

2. Transfermarkt wird revolutioniert

Ein für allemal vorbei wäre das elendige Transfergebaren der großer Vereine. Messi bliebe so oder so für immer beim FC Barcelona und Ronaldo bei Real Madrid. Allerdings dürften sich die Spieler unter Einhaltung einer knappen Kündigungsfrist von ihren Vereinen lösen. Schließlich gilt dann für alle Spieler – jedenfalls in Deutschland – § 622 BGB. Je nachdem, wie lange die Spieler dem Verein schon angehören, beträgt die Kündigungsfrist zwischen vier Wochen und sieben Monate. Wobei letzteres wohl eher für Profis im Alter von 40 plus zutreffen würde.

3. Vereine treffen Altersvorsorge

Spieler ab 40 plus werden dann von den Vereinen in anderen Bereichen eingesetzt. Schließlich wird ein Robert Lewandowski mit 45 wohl nicht mehr so oft einnetzen wie in heutigen Tagen. Aber auch hierfür werden die Vereine vorsorgen: Greenkeeper und Busfahrer werden in jedem Verein benötigt und Spieler wie Kevin Großkreuz oder Franck Ribery haben in diesen Bereichen ja ohnehin schon einiges an Erfahrung sammeln können.

Die Lösung für die Probleme der Vereine heißt: Abmahnung und verhaltensbedingte Kündigung

Die Lösung für das Problem der Vereine wäre aber wohl eine ganz andere: Wie bei anderen Arbeitnehmern, die dem Kündigungsschutz unterliegen, kommen hier ordentliche Kündigungen in Betracht. Dabei ist allerdings zu beachten, dass eine ordentliche Kündigung nach § 1 Abs. 2 KSchG nur dann in Betracht kommt, wenn

„sie nicht durch Gründe, die in der Person (personenbedingt) oder in dem Verhalten (verhaltensbedingt) des Arbeitnehmers liegen, oder durch dringende betriebliche Erfordernisse (betriebsbedingt), die einer Weiterbeschäftigung des Arbeitnehmers in diesem Betrieb entgegenstehen, bedingt ist.“

Ist der Torhüter hinten kein stabiler Rückhalt mehr, der Mittelfeldspieler nur noch ein Hindernis für seine Mitspieler und glänzt der Stürmer jeden Spieltag nur noch mit Slapstickeinlagen, so muss die Vereinsführung auf die Möglichkeit einer verhaltensbedingten Kündigung aufmerksam gemacht werden. Doch Vorsicht! Viele verhaltensbedingte Kündigungen sind nur nach vorheriger Abmahnung zulässig. Wir zeigen an dieser Stelle, worauf Sie als Verein zu achten haben und geben Ihnen einen Formulierungsvorschlag mit auf den Weg:

ABMAHNUNG (am Bsp. eines Stürmers)

(Briefkopf des Arbeitgebers)

An

Frau/Herrn

(Name des Arbeitnehmers)

– im Haus –

… (Ort), … (Datum)

Betreff: Abmahnung

Sehr geehrter Herr …,

am 21. Spieltag haben Sie unter Verstoß gegen die Weisung Ihres zuständigen Trainers erneut das gegnerische Tor nicht getroffen. Trotz vorhergehenden, intensiven Videostudiums des Gegners ist es Ihnen zum wiederholten Male nicht gelungen, den dringend notwendigen Torerfolg für unsere Mannschaft herbeizuführen. 

Damit haben Sie schwerwiegend gegen Ihre arbeitsvertraglichen Pflichten verstoßen, insbesondere gegen Ihre Pflicht, verdammt nochmal Tore zu schießen. Sie sind im Rahmen Ihres Arbeitsverhältnisses dazu verpflichtet, mindestens 30 Tore in der Bundesliga zu erzielen. Herr M. aus Barcelona kann dies schließlich auch.

Wir weisen Sie darauf hin, dass wir ein solches Verhalten nicht dulden und mahnen Sie deshalb letztmalig ab.

Wir fordern Sie auf, in Zukunft Ihrer Verpflichtung nachzukommen und sich vertragsgerecht zu verhalten. Insbesondere erinnern wir Sie mit Nachdruck an die hohen Erwartungen unseres zahlungskräftigen Publikums. Sollten Sie dieser Aufforderung zu vertragsgerechtem Verhalten nicht Folge leisten und erneut Ihre Pflichten aus dem Arbeitsvertrag verletzen, müssen Sie mit einer Kündigung rechnen.

Eine Kopie dieser Abmahnung werden wir zur Personalakte nehmen und als Androhung im Zuschauerraum, dort insbesondere der Südkurve, sichtbar machen.

Mit freundlichen Grüßen

(Unterschrift des weisungsbefugten Vorgesetzten)

Erhalten am: …

(Unterschrift des Lizenzspielers)

Mit einer solchen Abmahnung erfüllen Sie Ihre arbeitsvertragliche Erinnerungspflicht (auch Erinnerungsfunktion der Abmahnung). Nach Ausspruch einer Abmahnung sollten Sie unbedingt darauf achten, mit der verhaltensbedingten Kündigung nicht all zu lange zu warten. Sollte sich wider Erwarten die erhoffte Leistungssteigerung nicht einstellen, verliert nämlich die Abmahnung ihre sog. Warnfunktion. Eine zu spät ausgesprochene Kündigung könnte dann vor den Arbeitsgerichten keinen Bestand haben.

Sollten Sie weitere Fragen zu dieser Thematik haben, wenden Sie sich an unsere Kanzlei. Insbesondere bei der nicht einfachen Abmahnung eines Lizenzmittelfeldspielers, stehen wir Ihnen gern Rede und Antwort.

Tim Schneidewind
ts@kanzlei-ktr.com

Rechtsanwalt Tim Schneidewind berät Sie im Arbeitsrecht, Internetrecht sowie im Handels- und Gesellschaftsrecht.Seit 2015 postet Rechtsanwalt Tim Schneidewind in regelmäßigen und auch unregelmäßigen Abständen zu alltäglichen Fragen des Arbeitsrechts. Sie erreichen mich unter der Nummer: 0341 - 24 700 253Oder auch per Mail an: ts@kanzlei-ktr.com

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