Überstunden und Mehrarbeit

Überstunden und Mehrarbeit

Unter dieser Rubrik gehen wir der Frage nach, wo der Unterschied zwischen Überstunden und Mehrarbeit liegt. Außerdem klären wir die Frage, ob und wenn ja welches Gesetz hierzu Regelungen enthält. Zudem finden Sie Antworten auf die Frage, ob es einen Überstundenzuschlag gibt, wie Überstunden bezahlt werden und ob und wenn ja wie man Überstunden absetzen kann.

Unterschied zwischen Überstunden und Mehrarbeit

Auch wenn die Begriffe oft synonym verwendet werden, gibt es einen Unterschied zwischen Überstunden und Mehrarbeit. Unter Überstunden versteht man vereinfacht gesagt die Arbeitszeit, die über die von Ihnen geschuldete Arbeitszeit hinausgeht und die aufgrund der Anweisung oder Billigung des Arbeitgebers geleistet wird.

Bsp: Sie haben eine 5 Tageswoche und einen Arbeitsvertrag, wonach Sie zu einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden verpflichtet sind. Täglich arbeiten Sie somit 8 Stunden. Bestellt Sie Ihr Arbeitgeber nun Samstag zur Arbeit und lässt Sie 5 Stunden Arbeiten, haben Sie ihre vertraglich geschuldete Arbeitsleistung um 5 Stünden überschritten und damit ebenso viele Überstunden geleistet.

Unter Mehrarbeit versteht man die über die gesetzliche oder tarifvertragliche Arbeitszeit hinausgehend geleistete Arbeit.

Bsp: Ein Ta­rif­ver­trag sieht für voll­zei­tig beschäftig­te Ar­beit­neh­mer ei­ne Wo­chen­ar­beits­zeit von 37,5 St­un­den vor. Wird die­se über­schrit­ten, spricht der Ta­rif­ver­trag von „Mehr­ar­beit“, für die es ei­nen be­stimm­ten Lohnzuschlag ge­ben muss.

Von Mehr­ar­beit spricht man auch im Be­am­ten­recht, wenn Be­am­te in ei­nem Um­fang, der über ih­re re­guläre Ar­beits­zeit hin­aus­geht, zum Dienst her­an­ge­zo­gen wer­den.

Gesetzliche Regelungen

Das Arbeitszeitgesetz, kurz ArbZG enthält Regelungen zum Schutz der Arbeitnehmer vor angeordneten Überstunden. Zweck dieses Gesetzes ist es daher, Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer zu gewährleisten und die staatlich Anerkannte Sonn- und Feiertagsruhe zu schützen. Auf der anderen Seite gibt es kein Gesetz, wonach ein Arbeitnehmer verpflichtet werden kann, Überstunden zu leisten. Vereinfacht gesagt müssen Sie nur solange arbeiten, wie Sie sich vertraglich verpflichtet haben. Auch im Arbeitsrecht gilt der Grundsatz „pacta sunt servanda“, sprich: Verträge müssen eingehalten werden.

Überstundenzuschlag

Fälschlicherweise wird häufig angenommen, dass es immer einen Zuschlag auf die geleisteten Überstunden gibt. Dies ist nicht der Fall. Sofern im Arbeitsvertrag keine Regelung zu deren Vergütung vorhanden sind, gilt der Grundsatz, dass Überstunden wie normale Arbeitsstunden bezahlt werden. Etwas anderes gilt nur dann, wenn hierzu im Arbeitsvertrag, Betriebsvereinbarung oder im Tarifvertrag etwas geregelt ist.

Bezahlung

Im All­ge­mei­nen muss der Ar­beit­ge­ber den für den Ar­beit­neh­mer maßgeb­li­chen St­un­den­lohn aus­rech­nen und mit der An­zahl der zu vergüten­den Über­stun­den mal­neh­men. Den St­un­den­lohn kann man bei ei­nem mo­nat­li­chen Fest­ge­halt ein­fach nach fol­gen­der For­mel er­rech­nen:

Mo­nats­ge­halt x 3 : 13 : An­zahl der Wo­chen­ar­beits­stun­den

Bsp: Ei­ne kaufmänni­sche An­ge­stell­te ver­dient bei ei­ner Ar­beits­zeit von 38 St­un­den in der Wo­che 2.500,00 EUR brut­to im Mo­nat. Sie leis­tet im letz­ten Quar­tal des Jah­res 105 Über­stun­den, die mit dem Ja­nu­ar­ge­halt ab­ge­rech­net wer­den sol­len. Dann beträgt der St­un­den­lohn (2.500,00 x 3 : 13 : 38 =) 15,18 EUR brut­to, so dass der Ar­beit­ge­ber im Ja­nu­ar (105 St­un­den x 15,18 EUR =) 1.593,90 EUR brut­to Über­stun­den­vergütung zah­len muss.

Absetzen

Grundsätzlich müssen Überstunden mit der nächsten Gehaltsabrechnung bezahlt werden. Ein Frei­zeit­aus­gleich (Absetzen) ist nur dann möglich, wenn der Ar­beit­neh­mer da­mit im jeweiligen Ein­zel­fall ein­ver­stan­den ist oder wenn sich der Ar­beit­ge­ber die­se Möglich­keit des Über­stun­den­ab­baus im Arbeits­ver­trag ausdrücklich vor­be­hal­ten hat.

Hintergrund dieser Regelung ist, dass der Arbeitnehmer faktisch „von Arbeit freigestellt“ werden müsste. Der Arbeitnehmer hat aber gewissermaßen ein „Recht auf Arbeit“, dass man ihm nicht einseitig entziehen kann. Daher ist ein Freizeitausgleich nur mit Einverständnis des Arbeitnehmers zulässig.

Tim Schneidewind
ts@kanzlei-ktr.com

Rechtsanwalt Tim Schneidewind berät Sie im Arbeitsrecht, Internetrecht sowie im Handels- und Gesellschaftsrecht.Seit 2015 postet Rechtsanwalt Tim Schneidewind in regelmäßigen und auch unregelmäßigen Abständen zu alltäglichen Fragen des Arbeitsrechts. Sie erreichen mich unter der Nummer: 0341 - 24 700 253Oder auch per Mail an: ts@kanzlei-ktr.com

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