#fragKTR: Fußball EM am Arbeitsplatz? Geht doch, oder?

Darf ich die Fußball EM am Arbeitsplatz gucken?

Unter der Woche hat uns diese klassische aber immer wieder spannende Frage vor dem Beginn der Fußball EM erreicht. Hierzu möchten wir heute ein paar Grundsätze erklären. Außerdem beantworten wir die Frage ob und vor allem wie es möglich ist, die Fußball EM auch ohne arbeitsrechtliches Foul zu verfolgen.

Fußball am Arbeitsplatz? Nicht in unserem Betrieb!

Alle, die einen nicht ganz so fußballbegeisterten Chef haben, müssen nun ganz tapfer sein: Nein, Fußball am Arbeitsplatz gucken, geht grundsätzlich nicht. Wahrscheinlich haben sich das die meisten schon gedacht. Aber warum ist das eigentlich so?

Das Weisungsrecht macht´s möglich – oder eben auch nicht

Im Arbeitsverhältnis hat der Arbeitgeber nun mal das sogenannte „Direktionsrecht/Weisungsrecht“ inne. Dies besagt, dass der Arbeitgeber grundsätzlich Arbeitsort, Arbeitsinhalt, Beginn und Ende der Arbeitszeit frei festlegen darf, ohne dass der Mitarbeiter damit einverstanden sein muss. Dies ist das wesentlichste Recht des Arbeitgebers und ergibt sich aus § 106 GewO. Daher kann der Arbeitgeber auch festlegen, wann zu arbeiten ist und wann eben nicht. Da Arbeitszeit letztlich Leistungszeit ist, darf ohne Erlaubnis des Arbeitgebers auch kein Fußball geguckt werden. Soviel zum rechtlichen Hintergrund.

Das Spiel über Radio oder Liveticker verfolgen?

Auch dies ist wegen des Weisungsrechtes grundsätzlich ausgeschlossen. Zwar dulden viele Arbeitgeber, wenn das Radio während der Arbeitszeit läuft. Aber eine Liveübertragung des Spiels ist hiervon nicht umfasst. Grundsätzlich verhält es sich mit dem Liveticker auf dem Handy genauso. In den meisten Betrieben wird das Benutzen des Handys oder des Internets gestattet, aber eben nur in Maßen. Arbeitnehmer sollten sich bewusst sein, dass während der Arbeitszeit Leistung verlangt wird. Bekommt der Chef mit, dass all zu ausdauernd auf das Smartphone geschaut wird, kann dies bei Wiederholung schon mal zu einer Ermahnung und später ggf. zu einer Abmahnung führen.

Pause verlängern und anschließend nacharbeiten?

Keine schlechte Idee, aber auch nur dann, wenn der Chef mitspielt. Eine eigenständige Verlängerung der Pausenzeit widerspricht dem Weisungsrecht. Vor allem ist zu beachten, dass die Arbeitszeit maximal 10h am Tag betragen darf. Dies schreib § 3 S. 2 ArbZG zwingend vor und gilt auch nur dann, wenn im Anschluss für entsprechende Ausgleichszeiten gesorgt wird.

Die anderen durften aber damals auch…

Spannender ist da schon die Frage, ob sich die Arbeitnehmer darauf berufen dürfen, dass bei vergangenen Großveranstaltungen der Chef der Belegschaft erlaubt hatte, diese zu verfolgen. In diesem Fall könnte nämlich eine sog. „betriebliche Übung“ entstanden sein. Eine betriebliche Übung liegt immer dann vor, wenn der Arbeitgeber bestimmte Verhaltensregeln kontinuierlich wiederholt, sodass sich die Arbeitnehmer darauf berufen können, dass es sich mittlerweile um eine „unausgesprochen Regel“ handelt. Auf einen Streit mit dem Arbeitgeber sollte man es aber besser nicht ankommen lassen. Schließlich ist der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin in der Beweislast. Der Arbeitgeber könnte sich relativ leicht befreien, indem er vorträgt, er habe die letzten Male immer individuell entschieden. Besser, man hat die Erlaubnis des Chefs, dann ist man definitiv auf der sicheren Seite.

Was sind die Konsequenzen, wenn ich trotzdem gucke?

Mit einer außerordentlichen Kündigung muss wohl niemand rechnen, wobei es aber auch hier immer auf den jeweiligen Einzelfall ankommt. Sofern man mit der Thematik „Fußball am Arbeitsplatz“ bisher nicht angeeckt ist, ist zunächst die Ermahnung, bei mehrfachem „Foul“ die Abmahnung die zu erwartende Konsequenz. Eine ordentliche Kündigung aufgrund mehrfachen Verstoßes gegen die Anweisung des Vorgesetzten kommt dann als letztes Mittel ernsthaft in Betracht.

Spontan Urlaub nehmen um das Spiel zu verfolgen?

Hiergegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Der Arbeitgeber ist im Allgemeinen dazu verpflichtet, die Urlaubswünsche seiner Beschäftigten zu berücksichtigen. Allerdings nur soweit, dass der Betrieb im Unternehmen aufrecht erhalten bleibt. Haben bereits andere Kollegen „(Fußball)Urlaub“ genommen, kann der Chef den Urlaubswunsch auch ablehnen. Daher ist es empfehlenswert, den Urlaubsantrag einige Zeit vorher einzureichen, was natürlich bei den k.o. Spielen mitunter schwierig sein dürfte. Allerdings sollte man sich hüten, Urlaub einzureichen und ohne Zustimmung des Arbeitgebers diesen zu nehmen. Damit begeht man einen folgenschweren Pflichtverstoß, der mit aller Wahrscheinlichkeit eine Abmahnung nach sich ziehen wird.

Der fußballbegeisterte Betriebsrat kann helfen

Wohl dem, der einen dem Fußball zugeneigten Betriebsrat hat. Dieser kann nämlich im Namen der Belegschaft eine optimierte Arbeitszeit vorschlagen, wodurch die enthusiastischen Fußballanhänger in der Belegschaft auf ihre Kosten kommen. Nach § 87 Abs. 1 Nr. 2 Betriebsverfassungsgesetz darf der Betriebsrat bei Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit einschließlich der Pausen sowie Verteilung der Arbeitszeit auf die einzelnen Wochentage mitbestimmen.

 

Tim Schneidewind
ts@kanzlei-ktr.com

Rechtsanwalt Tim Schneidewind berät Sie im Arbeitsrecht, Internetrecht sowie im Handels- und Gesellschaftsrecht.Seit 2015 postet Rechtsanwalt Tim Schneidewind in regelmäßigen und auch unregelmäßigen Abständen zu alltäglichen Fragen des Arbeitsrechts. Sie erreichen mich unter der Nummer: 0341 - 24 700 253Oder auch per Mail an: ts@kanzlei-ktr.com

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