#fragKTR: Wann bekomme ich mein Urlaubsgeld?

Urlaub und Geld

Heute widmen wir uns einer Frage zum Thema Urlaub und Geld. Zwei Aspekte, die bestens zueinander passen und immer wieder für Ungewissheit sorgen. Wer bekommt eigentlich Urlaubsgeld? Was ist Urlaubsentgelt? Wieviel steht mir zu und vor allem: Wann muss es der Chef auszahlen? Die Antworten gibt´s wie gewohnt in anschaulicher, komprimierter Form.

Urlaubsgeld oder Urlaubsentgelt?

Zu Beginn steht die Frage: Wovon sprechen wir eigentlich? Man muss Urlaubsgeld und Urlaubsentgelt penibel voneinander unterscheiden. Nicht nur, dass entgelt mit „t“ und geld mit „d“ geschrieben wird (näheres hierzu erfahrt ihr übrigens hier), vielmehr beziehen sich beide auf ganz Unterschiedliches und führen oft zu der Annahme, jedem stehe irgendwie Geld für den Urlaub zu, was nicht ganz richtig, aber auch nicht ganz falsch ist.

Urlaubsgeld ist eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers

Das wohl bekanntere Urlaubsgeld muss der Arbeitgeber nur zahlen, wenn er hierzu verpflichtet ist. Diese Verpflichtung kann sich z.B. aus einem Tarifvertrag, einem individuellen Arbeitsvertrag oder aus einer betrieblichen Übung ergeben. Hier lohnt sich ein kurzer Blick in den eigenen Arbeits- oder Tarifvertrag, um die Frage nach einem Anspruch auf Urlaubsgeld zu beantworten. Sofern hier keine Regelung existiert und auch bisher kein Urlaubsgeld gezahlt wurde, war´s das schon mit dem Zusatzgehalt.

Urlaubsentgelt steht jedem Arbeitnehmer zu

Wesentlich relevanter ist da schon das Urlaubsentgelt (mit „t“). Was sich wie Normalität anhört, ist letztlich eine Ausnahme vom Grundsatz „Ohne Arbeit – kein Lohn“, den der Gesetzgeber in § 614 S. 1 BGB versteckt hat. Würde es das Bundesurlaubsgesetz nicht geben, könnte man zwar immer noch in den Erholungsurlaub fliegen, aber da zu Hause die Arbeit ruht, gäbe es hierfür keinen Lohn. Da wir die Anfangsphase der Industrialisierung aber hinter uns gebracht haben, hat uns der Gesetzgeber § 11 BUrlG geschenkt. Dieser sagt kurzum, dass jeder Arbeitnehmer Anspruch auf bezahlten (!) Erholungsurlaub hat.

Urlaubsentgelt ist vor Urlaubsantritt zu zahlen

Was viele Arbeitnehmer und noch mehr Arbeitgeber dabei nicht wissen: § 11 Abs. 2 BUrlG legt eindeutig und unmissverständlich fest, dass der Arbeitgeber das Urlaubsentgelt vor Urlaubsantritt zu zahlen hat. Klingt irgendwie logisch, schließlich will man sich im Urlaub ja auch das eine oder andere gönnen. Aber auch diese Regelung stellt im Grunde genommen eine Ausnahme zur Regel dar. Grundsätzlich ist die Vergütung der Arbeitsleistung nämlich nach der Arbeitsleistung zu bezahlen. Schuld daran ist wiederum § 614 S. 1 BGB.

Ausnahmeregelungen nur durch Tarifvertrag möglich

Wer sich nun sagt: Das wird mein Arbeitgeber schon im Arbeitsvertrag abweichend geregelt haben, der irrt. Das darf der liebe Chef nämlich nicht. Es sei denn, für das Arbeitsverhältnis gilt ein Tarifvertrag. Denn Tarifvertragsparteien können auch Regelungen treffen, die zuungunsten der Arbeitnehmer ausfallen. Daher lohnt sich ein Blick in den eigenen Arbeitsvertrag. In der Praxis weichen die Tarifvertragsparteien tatsächlich regelmäßig zuungunsten der Arbeitnehmer von dieser Regelung ab. Das bedeutet aber nicht, dass man dadurch automatisch schlechter fährt. Dafür erhalten viele tarifgebundene Arbeitnehmer nämlich das überobligatorische Urlaubsgeld (mit „d“).

Praxis missachtet regelmäßig das Gesetz

In den allermeisten Fällen wird das Urlaubsentgelt (ganz unbeabsichtigt…) mit dem regulären Gehalt am Monatsende ausgezahlt. Es obliegt nun dem aufmerksamen Leser, dieser Fehlentwicklung durch aktives Aufmerksammachen des Arbeitgebers  entgegenzuwirken. Die wenigsten Chef´s werden freiwillig von der für sie gewohnten Praxis abrücken.

Keine Sorge: Der Hinweis auf gesetzliche Regelungen darf dem Arbeitnehmer nicht zum Nachteil gereicht werden. Das verbietet das sog. Maßregelungsverbot in § 612a BGB. Gerne helfen wir aber auch bei der Durchsetzung Ihrer Rechte.

Tim Schneidewind
ts@kanzlei-ktr.com

Rechtsanwalt Tim Schneidewind berät Sie im Arbeitsrecht, Internetrecht sowie im Handels- und Gesellschaftsrecht.Seit 2015 postet Rechtsanwalt Tim Schneidewind in regelmäßigen und auch unregelmäßigen Abständen zu alltäglichen Fragen des Arbeitsrechts. Sie erreichen mich unter der Nummer: 0341 - 24 700 253Oder auch per Mail an: ts@kanzlei-ktr.com

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