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Arbeit 4.0 - Unser Fazit | Arbeitsrecht |Anwalt | Kanzlei KTR | Leipzig
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Arbeit 4.0 – Ein vorläufiges Schlussfazit

Arbeit 4.0 – Ein vorläufiges Schlussfazit

Unser Themenmonat „Arbeit 4.0“ neigt sich dem Ende. Der Prozess und die Umsetzung Arbeit 4.0 sind hingegen in vollem Gange. Wir haben bei unseren Leitartikeln den Fokus insbesondere auf Arbeitnehmerrechte gelegt und zum Teil kritische Punkte beleuchtet. Schlussendlich muss aber allen Beteiligten, gleich ob Kritiker oder Förderer, bewusst sein, dass sich der technologische Fortschritt nicht rückgängig machen lässt. Daher kann in den nächsten Jahren nur unsere Aufgabe sein, die Möglichkeiten effektiv zu nutzen und gleichzeitig die bisherigen hohen Schutzstandard der Arbeitnehmerrechte zu wahren.Im Rahmen dieses Artikel fassen wir nochmals unsere gefunden Ergebnisse in kurzen Thesen zusammen und bieten so eine kompakte Übersicht über unseren Themenmonat, welcher unserer Veranstaltung „KTR_talk_No. 9 – Arbeit 4.0“ am 01. Februar 2017 sein (vorläufiges) Ende findet.

Arbeitsort und Arbeitszeit

Wie vertragen sich Konzepte wie Mobile Office, Open Desk, Home Office oder Work-Life-Blending mit den aktuellen Regelungen zu Arbeitsort und Arbeitszeit?  Aktuell scheinen die rechtlichen Hürden für die Umsetzung von mobilen Lösungen durch den Gesetzgeber noch sehr hoch. Dies begründet sich vor allem im Arbeitnehmerschutz und der gedanklichen Grundlage der Gesetze selbst. Denn eben jene gehen von einem klassischen Arbeitsumfeld aus, bei welcher der Arbeitnehmer zu seiner Arbeitsstelle geht und dort vor Ort am Stück seine Arbeit verrichtet.

Verfügt das Unternehmen über einen Betriebsrat, so sind vor allem die Mitbestimmungsrechte der Arbeitnehmervertretung zu beachten. Insbesondere bei der Verteilung der Arbeitszeit auf einzelne Werktage, welche schnell Auswirkung auf alle Beschäftigte haben können.

In diesem Zusammenhang mussten wir feststellen, dass die Frage der Ruhepausen bisher gesetzlich nicht optimal auf die neuen Arbeitsmethoden zugeschnitten ist. Wichtig ist derzeit, dass Arbeitgeber darauf achten müssen, dass Ihre Beschäftigen grundsätzlich mindestens elf Stunden Ruhe einhalten, bevor sie die Arbeit wieder aufnehmen.

Das Weisungsrecht des Arbeitgebers wird sich im Rahmen von Arbeit 4.0 anpassen müssen. Ohne arbeitgeberseitiges Vertrauen verbliebe nur eine Verstärkung der Überwachung der Arbeitnehmer, um Arbeitszeiten mit einer angemessen Vergütung zu versehen.

Arbeitnehmerüberwachung

Mit den neuen Möglichkeiten für Arbeitnehmer, kommen auch neue Möglichkeiten für Arbeitgeber. Die mobilen Geräte, welche im Arbeitsalltag genutzt und zumeist vom Arbeitgeber gestellt werden, sammeln kontinuierlich Daten, auf die der Arbeitgeber gern zugreifen möchte.

Damit kann der Arbeitgeber bspw. die Arbeitszeit nachvollziehen. Problematisch ist hierbei jedoch, dass dies einen Eingriff in datenschutzrechtliche Bestimmungen darstellen kann, wofür der Arbeitgeber sich wiederum auf Erlaubnisnormen oder Vereinbarungen mit den Arbeitnehmern stützen muss.

Jedoch birgt das alleinige Vertrauen auf die Erlaubnisnorm selbst, die Unsicherheit für den Arbeitgeber, ob denn der Eingriff nun wirklich erlaubt ist. Am effektivsten ist es daher Betriebsvereinbarungen zu schließen, sofern ein Betriebsrat vorhanden ist. Anderenfalls sollten Arbeitnehmer und Arbeitgeber individuelle Vereinbarungen treffen.

Crowdworking

Crowdworker stellen ein besonderes Feld im Rahmen der Arbeit 4.0 dar. Insbesondere externe Crowdworker sind nach geltenden arbeitsrechtlichen Bestimmungen keine Arbeitnehmer. Sie können sich nicht auf die arbeitsrechtlichen Schutzvorschriften berufen. So genießen sie keinen Kündigungsschutz  und haben keinen effektiven Bestandsschutz.

Bezogen auf eine immer größer werdende Gemeinde der Crowdworker stellt dies ein nicht unerhebliches Problem dar. Daher ist es nur zu begrüßen, dass Gewerkschaften wie die IG Metall bereits eine Informationsplattform für Crowdworker zur Verfügung gestellt hat, um Synergieeffekte nutzbar zu machen.

Bei der Entwicklung des Crowdworkings wird der Fokus auf den Ausgleich der sozialen Absicherung im Vordergrund stehen. Einheitliche Preismodelle und Absicherungen für geleistete tatsächliche Arbeit sind in diesem Zusammenhang wünschenswert und anzustreben. Anderenfalls wird die Attraktivität von Plattformen für Crowdworker schnell wieder verschwinden.

Doch auch das firmeninterne Crowdworking kann zu Komplikationen bei der Ausgestaltung führen. Nullstunden-Verträge wie sie in Großbritannien üblich sind ist, sind nach deutschem Recht nicht möglich. Die Arbeitnehmer haben ein Recht auf Beschäftigung und können nicht nur vereinzelt beschäftigt werden.

Zum Schluss…

…bleibt noch zu sagen, dass verständlicherweise die bestehenden Normen und Verordnungen den Entwicklungen der Arbeitswelt nicht hinterherkommen. Umso mehr sind Arbeitgeber dazu verpflichtet bei der Umsetzung solcher Ideen, ein besonderes Augenmerk auf die Ausgestaltung dieser Modelle zu legen. Dies kann durch Vereinbarungen erreicht werden oder der richtigen Vertragsgestaltung mit den Arbeitnehmern. In keinem Fall sollten die anstehenden Veränderungen im Zuge von Arbeit 4.0 auf die leichte Schulter genommen werden.

Wenn Sie dazu Fragen haben, dann stehen wir Ihnen natürlich gerne beratend zur Seite.

Tim Schneidewind
ts@kanzlei-ktr.com

Rechtsanwalt Tim Schneidewind berät Sie im Arbeitsrecht, Internetrecht sowie im Handels- und Gesellschaftsrecht. Seit 2015 postet Rechtsanwalt Tim Schneidewind in regelmäßigen und auch unregelmäßigen Abständen zu alltäglichen Fragen des Arbeitsrechts. Sie erreichen mich unter der Nummer: 0341 - 24 700 253 Oder auch per Mail an: ts@kanzlei-ktr.com

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